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	<title>Weltensiedler</title>
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	<description>Michel in Kamerun</description>
	<pubDate>Sun, 27 Sep 2009 13:25:30 +0000</pubDate>
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		<title>Danksagung</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Sep 2009 13:19:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>michel</dc:creator>
		
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Mit der folgenden Danksagung möchte ich meinen Blog „www.olafpenke.de/weltensiedler&#8221; schließen. Ich will an dieser Stelle meiner Mutter, Beate Penke, danken, die nicht selten Texte überarbeitet und durchgesehen hat. Außerdem darf natürlich nicht der Administrator, allmächtige Blogwart und Maschinist Olaf Penke vergessen werden, der das stimmige und stilvoll elegante Layout der Seite entworfen und [...]]]></description>
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<p>Mit der folgenden Danksagung möchte ich meinen Blog „www.olafpenke.de/weltensiedler&#8221; schließen. Ich will an dieser Stelle meiner Mutter, <a href="http://www.offene-gaerten-in-mv.de/" target="_blank">Beate Penke</a>, danken, die nicht selten Texte überarbeitet und durchgesehen hat. Außerdem darf natürlich nicht der Administrator, allmächtige Blogwart und <a href="http://images.google.de/imgres?imgurl=http://www.olafpenke.de/images/olaf_penke.jpg&amp;imgrefurl=http://www.olafpenke.de/maschinist/wie_jetzt.html&amp;usg=__Dn1Olxw7cw07f7FSK-96OURfl4M=&amp;h=150&amp;w=150&amp;sz=6&amp;hl=de&amp;start=1&amp;um=1&amp;tbnid=D-1dMOnax7l9vM:&amp;tbnh=96&amp;tbnw=96&amp;prev=/images%3Fq%3DOlaf%2BPenke%26hl%3Dde%26sa%3DN%26um%3D1" target="_blank">Maschinist Olaf Penke</a> vergessen werden, der das stimmige und stilvoll elegante Layout der Seite entworfen und programmiert hat. Auch möchte ich seine Heckenschereneinsätze hervorheben, wenn ich mal wieder kläglich an einer ansehbaren Installation meiner Texte und Bilder im Netzt scheiterte. Im Schweiße ihres Angesichts haben diese beiden Menschen mir sehr geholfen, die ersten Schritte auf dem Weg eines womöglich werdenden Schreiberlings zu machen.</p>
<p>Nicht zuletzt gilt mein Dank natürlich auch Ihnen, den Lesern, die mich und meine Eitelkeit dank ihrer unvorhergesehen großen Zahl dazu zwangen weiter zu schreiben. Die höchste Popularität erreichte die Seite bei Ihnen im Juni und Juli mit jeweils über 4200 Aufrufungen. In der Summe schaffte sie es auf weit über 25.000 innerhalb von zehn Monaten. Ein solches Gegeninteresse und ein dergleichen großer Leserkreis waren jenseits meiner Erwartungen.</p>
<p>Ich danke Ihnen.</p>
<p>PS.: In kurzer Zeit wird ein Nachfolgeblog (www.gardden.de) online gehen. Ich würde mich freuen Sie im &#8220;<a href="http://www.gardden.de/" target="_blank">Garten der Denker</a>&#8221; begrüßen zu dürfen.</p>
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		<title>Schlusswort</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Sep 2009 13:13:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>michel</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[aus Kamerun]]></category>

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		<category><![CDATA[Schluss]]></category>

		<category><![CDATA[Schlussworte]]></category>

		<category><![CDATA[Zusammenfassung]]></category>

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		<description><![CDATA[ 
Ich sitze an einem Schreibtisch. Die Oberfläche ist abgewetzt, Flecken haben sich hinein gegraben. Von draußen klopft der Regen ans Fenster. Bäche fließen die Scheibe herab. Die ganze Welt atmet Feuchtigkeit. Die Regenzeit hat bald ihren Höhepunkt erreicht.
Bereits vor einem Jahr saß ich an dieser Stelle und ließ die Gedanken in Richtung der Alten [...]]]></description>
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<p>Ich sitze an einem Schreibtisch. Die Oberfläche ist abgewetzt, Flecken haben sich hinein gegraben. Von draußen klopft der Regen ans Fenster. Bäche fließen die Scheibe herab. Die ganze Welt atmet Feuchtigkeit. Die Regenzeit hat bald ihren Höhepunkt erreicht.</p>
<p>Bereits vor einem Jahr saß ich an dieser Stelle und ließ die Gedanken in Richtung der Alten Welt schweifen. Gerade in Afrika angekommen, von dem Eindruck der Fremdartigkeit überschwemmt, wollte ich durch Texte, Bilder und Gedanken eine Brücke zur Heimat aufschlagen. Schreiben und Gedanken fließen lassen. Mir selbst Afrika reflektierend erarbeiten. Für ein Jahr als FSJler in einer fremden, unverständlichen Kultur leben und denken. Über Afrika und über mich.</p>
<p>Nun, das Jahr ist vorbei. Zeit, Resümee zu ziehen.</p>
<p><span id="more-531"></span></p>
<p><strong>Afrika und ich, ein Jahr der erziehenden Widersprüche. </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>In der Fremde ein Fremder.</p>
<p>Afrika ist eine Welt, die mir unverständlicher geworden ist, je länger ich in ihr weilte. Seien es die Menschen, die Gesellschaft, die Kultur. Afrika kann man weniger mit dem  Kopf begreifen, als mit Herz und Bauch akzeptieren. Zuweilen handle ich wie ein Afrikaner, lache über Witze, die nur Afrikaner verstehen können, ärgere mich über Europäer, die großspurig und ohne Ahnung durch den Schwarzen Kontinent „touristieren&#8221;. Im Innern bin ich immer noch auf einer Reise. Auf einer Reise weg von Europa.</p>
<p>Wenn ich über die verlebte Zeit in den Landen der großen Sonne sinne, dann kann ich sagen, dass ich ein Gast war. Ein gerngesehener, aber ein Fremder, der für einige Zeit bei Einheimischen weilte. Das Gefühl in Afrika ohne eine gedachte zeitliche Begrenzung leben zu können, will sich nicht einstellen. Wenn ich auch eine Ahnung von der zyklischen Zeit der Afrikaner erhalten habe.</p>
<p>Afrika war erstens anders und zweitens als ich dachte.</p>
<p>Wer in die südlichen Lande fliegt, macht sich Gedanken darüber, welche Klischées stimmen mögen und welche verzerren. Man bastelt sich selbst ein Gedankenkonstrukt zusammen. Bestehend aus Landschaftsbildern, Natursendungen, bekannter afrikanischer Kunst. Aus fertigen Karikaturen und eigenen Wunschträumen. Doch all diese Gedanken und Ahnungen trügen. Denn Afrika ist nicht einmal annähernd so, wie man es sich erträumt, erhofft oder erfürchtet. Afrika ist „chaotisch und verwirrend, inspirierend und abstoßend, ja, friedlich und zugleich so wild, so urtümlich&#8221;. Es ist schlichtweg eigen.</p>
<p>Afrika hat meine Erwartungen nicht erfüllt.</p>
<p>Es hätte sie niemals erfüllen können.</p>
<p>Dafür gab es mir einen Eindruck mit auf den Weg. Einen belebenden. All die anderen Länder, von denen <em>Kind</em> träumt und die von Geschichten und Wunderbarem bevölkert sind, erstehen wieder. Doch dieses Mal konkreter und realer. Sie sind nun nicht mehr von Erzählungen belebt, sondern von Menschen. Sie sind greifbarer geworden. Vorstellbarer. &#8230; und bereisbarer.</p>
<p>Für mich hat sich die Erde erst in den vergangenen zehn Monaten gerundet. Afrika war mein erster, zaghafter Schritt über den Horizont.</p>
<p>„Afrika ist ein guter Ort um wieder auf den Boden der Tatsachen zu kommen, um zumindest anzufangen zu begreifen wie vielschichtig und unverständlich das Leben zuweilen ist.&#8221; Diesen Satz schrieb ich in dem Einleitungstext, der den Blog eröffnete. Mein Jahr in Kamerun nahe am Herzen Afrikas sei „eine Reise durch ein Land der Widersprüche, der immergrünen Tropenwälder, der vielen Enttäuschungen und der immerwährenden Hoffnung.&#8221; Seitdem hat sich die Welt ein ganzes Stück weiter gedreht. Meinungen haben sich geändert und manches ist klarer geworden, wenngleich das Rätsel „Afrika&#8221; bestehen bleibt. Empfand ich am Anfang noch Widerwillen gegen viele Dinge in Kamerun - seien es die Korruption, die Obrigkeithörigkeit, der Wunsch nach westlichem Konsum - so hat sich am Schluss schließlich ein Gefühl von mildem Respekt eingestellt. Kamerun ist auf einem Weg, der viele Fragen aufweist und wenig dem gleicht, was die westliche Welt für Afrika plant. Dafür verstehen Europa und Amerika zu wenig von der afrikanischen Mentalität, von Einödenvölkern und dem Wunsch sich aus einer gebückten, bettelnden Haltung zu erheben. Afrika, Kamerun, ist eine Welt, die der unseren oberflächlich ähnlich sieht. Doch im Innern trennen Meilen Weltsicht und Selbstsicht. Diesen tiefen Graben des Unverstehens ein Stück zu füllen, dem hatte ich mich ein Jahr lang verschrieben. Doch bereits bei der Eröffnung meines Blogs erkannte ich, dass &#8230; „Afrika [...] etwas [ist], das man nicht mit Worten beschreiben kann.&#8221; Und daran hat sich auch innerhalb eines Jahres nichts geändert.</p>
<p>Die Entscheidung, ob ich dennoch Erfolg hatte, bleibt Ihnen beschieden.</p>
<p><strong> „Ooh, wie schön ist Panama!?&#8221; </strong></p>
<p>In der Erzählung von Janosch „Ooh, wie schön ist Panama!?&#8221; begeben sich der kleine Bär und sein Kamerad, der kleine Tiger, auf eine Reise weg von ihrem Haus am Fluss. Sie suchen Panama, „das Land ihrer Träume&#8221;, „denn Panama riecht von oben bis unten nach Bananen&#8221;. So begeben sie sich auf die Wanderung und fragen hier und dort, aber niemanden, der es wissen könnte, wo sich dieses Panama befände. Nach links zeigt der eigens errichtete Wegweiser. Links müsst ihr gehen, bestätigt der Fuchs &#8230; und nach links, sinniert die Kuh, denn „rechts wohnt der Bauer, und wo der Bauer wohnt, kann nicht Panama sein.&#8221; Aber wer immer nach links geht, der irrt im Kreis herum und läuft dahin zurück, wo er hergekommen ist. Sie ziehen umher, erleben Abenteuer und lernen viele Leute kennen.</p>
<p>Wie den Hasen und den Igel.</p>
<p>„Kommt mit zu uns nach Hause.&#8221;, laden sie die müden Wanderer ein, „Ihr könnt bei uns übernachten. Wir freuen uns über jeden Besuch, der uns etwas erzählen kann.&#8221; Dort zu Hause dürfen der kleine Bär und der kleine Tiger auf dem gemütlichen Sofa sitzen. &#8220;So ein Sofa&#8221;, sagt der kleine Tiger, &#8220;ist das Allerschönste auf der Welt. Wir kaufen uns in Panama auch so ein Sofa, dann haben wir wirklich alles, was das Herz begehrt. Ja?&#8221;</p>
<p>„Ja&#8221;, sagt der kleine Bär. Und dann erzählt der kleine Bär den beiden Leuten den<br />
ganzen Abend von Panama.</p>
<p>„Panama&#8221;, sagt er, „ist unser Traumland, denn Panama riecht von oben bis unten nach Bananen. Nicht wahr, Tiger?&#8221;</p>
<p>„Wir waren noch nie weiter als bis zum anderen Ende unseres Feldes&#8221;, sagt der Hase, „Unser Feld war bis heute auch immer unser Traumland, weil dort das Getreide wächst, von dem wir leben. Aber jetzt heißt unser Traumland Panama. Ooh, wie schön ist Panama, nicht wahr, Igel?&#8221; Der kleine Bär und der kleine Tiger dürfen auf dem schönen Sofa schlafen.<br />
In dieser Nacht träumen alle vier von Panama.</p>
<p>Schließlich kommen der kleine Bär und der kleine Tiger an ein Haus, das am Ufer eines Flusses steht. Es ist ein wenig verfallen. Sträucher wachsen davor und das Dach müsste neu gedeckt werden. Aber ansonsten sieht dieses Haus genau so aus, wie ihr altes Haus, das sie verlassen hatten.</p>
<p>„Hier will ich bleiben&#8221;, entschließt sich der Tiger. Und so geschieht es.</p>
<p>Die Moral von der Geschicht&#8217;?</p>
<p>Der Tiger und der kleiner Bär waren aufgebrochen, die Heimat neu zu entdecken und lieben zu lernen. Und sie haben die Vorzüge eines Plüschsofas zu schätzen gelernt.</p>
<p>Nun, Afrika ist mein Panama.</p>
<p>Das Haus am Fluss Europa.</p>
<p>Das Schreiben mein Sofa.</p>
<p>&#8230; und es hat sich gelohnt.</p>
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		<title>Sein in Afrika</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Sep 2009 13:08:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>michel</dc:creator>
		
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(Die folgenden Texte sind zu unterschiedlichen Zeitpunkten - Beginn, Mitte und Ende - meines Kamerunaufenthaltes entstanden, jedoch als Einheit zu sehen. Sie haben keinen Anspruch auf Originalität oder einen tieferen Sinn, sondern zeigen mit welchen Schwierigkeiten „Mensch&#8221; zu kämpfen hat, wenn er fürchtet, sich in einem fremden Land zu verlieren. Die drei Stufen von [...]]]></description>
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<p>(<em>Die folgenden Texte sind zu unterschiedlichen Zeitpunkten - Beginn, Mitte und Ende - meines Kamerunaufenthaltes entstanden, jedoch als Einheit zu sehen. Sie haben keinen Anspruch auf Originalität oder einen tieferen Sinn, sondern zeigen mit welchen Schwierigkeiten „Mensch&#8221; zu kämpfen hat, wenn er fürchtet, sich in einem fremden Land zu verlieren. Die drei Stufen von Ablehnung, distanzierter Bewunderung und kritischer Selbstreflexion sind deutlich herauszulesen. Ich distanziere mich vom Grundtenor des ersten Textes, möchte aber so ehrlich sein zu sagen, dass dies meine Gedanken am Anfang meines Freiwilligenjahres waren. Man mag über den offensichtlichen Kulturschock lächeln, damit zugleich aber die Kraftanstrengung zu seiner Überwindung verkennen.</em>)</p>
<p align="center"><strong> </strong></p>
<p align="center"><strong>Tod in Afrika</strong></p>
<p align="center"><em>Kein Land der Welt ist wie Afrika.</em></p>
<p>Afrika ist kein Kontinent der Länder, der Nationen. Es ist ein Chaos der Völker, Stämme, Clans und Ethnien. Hier sind alle Brüder. Und Kain erschlägt Abel. Und Abel Kain. Nie wird ein Mensch, der nicht hier geboren ist, ein Europäer, ein Amerikaner dieses Land begreifen. Nie. Wir können es beschreiben, es vermessen und versuchen zu erklären, doch nie werden wir auch nur annähernd verstehen, was Afrikaner bewegt.</p>
<p>Diese Länder werden von Angst regiert. Von Terror, von Hunger und Krieg. Afrika wird jeden Morgen neu geboren und seine Leiche verwest am Nachmittag im Straßengraben. Es ist die Wiege der Menschheit, Eden, und es ist das wildeste, roheste und brutalste Paradies auf Erden. <span id="more-527"></span></p>
<p>Als ich Europa verließ, war ich voller Hoffnung, voller Kraft in Überzeugung und Geist zu helfen. Die Welt besser zu machen. Menschen die Hand aufzuhalten und Leben zu retten. Doch dann holte mich die raue Wirklichkeit ein. Vergiftete Hoffnung und Tatkraft, zerriss meinen Schleier, der vor der wirklichen Welt schwebte. Dieses Land ist krank, todkrank. Es stürzt von lähmendem Krieg in mordenden Frieden. Wie soll ich helfen, wenn rings um mich die Welt in Flammen steht. Schöne neue Welt. Es gibt sie nicht. Doch die Erkenntnis ist bitter, so bitter.</p>
<p>Um mich herum schwirren die schlechten Kopien westlichen Stolzes. Prestigegebäude und Generalsuniformen. Kalaschnikows in Kinderhänden. Die Worte Unabhängigkeit und Frieden, Vaterland und Menschenliebe höre ich öfter, als Martin Luther King jr., Mahatmar Gandhi und Nelson Mandela sie in ihren ganzen Leben gesagt haben. Wie können Menschen dicken, Orden behangenden und blutbespritzten Generälen glauben, die von Kindersoldaten beschützt werden? Wie? Ich kann es nicht und ich bin am Ende.</p>
<p>Dies ist die andere Seite. Die andere Seite der Welt. Hier geht die Hoffnung nicht im Osten auf. Hier geht sie jeden Tag im Westen unter.</p>
<p align="center">
<p align="center"><strong>Traum in Afrika</strong></p>
<p align="center"><em>Kein Land von Hoffnung</em></p>
<p>Afrika ist kein Land, indem Traum und Hoffnung einander gleichen. Zuweilen, mag man meinen, die Hoffnung hätte Afrika klammheimlich verlassen. Wäre gegangen ohne sich zu verabschieden. Hoffnung, so scheint es, ist rar und selten. Doch der Traum belebt Afrika. Der Traum von „Tausend und einem Tag&#8221;.</p>
<p>Menschen, die aufrecht durch die niedrigen Türen ihrer Lehmhütten treten. Deren Stolz ihre Armut verspottet. Was ist Geld, Fortschritt und die Welt, wenn das Leben pulsiert? Tief in Afrika, in seinem Herzen, leben Menschen fernab all dessen, was man unbedingt zum Leben braucht. Ohne Strom und ohne fließend Wasser, ohne Internet und ohne Zugang zu modernen  medizinischen Mitteln. Käme nur eine Hilfsorganisation sie zu retten, sie wären verloren.</p>
<p>Wie Europa den Mystizismus des Nahen Ostens bewundert, so sehnt es sich nach der Leichtigkeit des afrikanischen Lebens. Wie viele Europäer sind zu Reisen aufgebrochen den Schwarzen Kontinent zu sehen? Und wie viele sind nicht zurückgekehrt? Wie viele haben sich in die Savanne, den Busch oder einen Afrikaner verliebt? Afrika ist das Land der Träume, nicht der Hoffnung. Ein Mensch kann ohne Hoffnung leben, so er noch einen Traum verkörpert.</p>
<p>Nicht immer stirbt die Hoffnung zuletzt, denn auch der Traum kann noch Sinn geben.</p>
<p align="center"><strong> </strong></p>
<p align="center"><strong>Leben in Afrika</strong></p>
<p align="center"><em>Kein Land steinerner Tafeln</em></p>
<p align="center"><em> </em></p>
<p>Afrika ist kein   Ort, an dem man schnell ankommt. Es braucht Jahre dafür, wenn nicht Jahrzehnte. Es braucht offene Ohren und Augen und einen geschlossenen Mund.</p>
<p>Afrika ist mir fremd und auch bin ich Afrika fremd. Ob Sitte, ob Brauch, Weltsicht oder <em>Selbstsicht</em>. Viele Gräben verlaufen zwischen denen, die „<em>da-sind&#8221;,</em> und denen, die ankommen. Schwer ist es in Afrika als Fremder zu leben und noch schwerer die Fremde hinter sich zu lassen. Stets geht der Blick zurück über das Meer - zu der Alten Welt. In allem ist sie Maßstab, Richterin und Sonnenstern des Guten. Afrika hingegen ist Zwielicht, laut und rau. Doch die Sehnsucht nach dem Bekannten trügt. Mit dem Schritt in die Fremde verlässt man nicht nur die Heimat. Auch das Messen will neu erlernt werden. Wer Afrika mit dem eurozentrischen Blick sieht, geht fehl in seiner Betrachtung. Er wird nicht gerecht und scheitert unweigerlich persönlich. Neue Tafeln müssen her, die alten zerbrochen werden.</p>
<p>Dies ist wohl die Lehre des „<em>Fremde-Sehens</em>&#8220;, dass die Welt nicht Einheit ist, dass sie Vielfalt ist. Auch in dem, was wir seit dem Berg Sinai stolz mit uns herum schleppen. Und so wandert der Reisende mit leichtem Gepäck. Die schweren Steintafeln der Werte und Gebote daheim gelassen. Verstaubt oder bereits zerfallen.</p>
<p>Dieser Schritt ist schwer und so mancher scheitert daran. Er kam nie in Afrika an, denn er hatte Europa nie verlassen. Auch ich habe daran zu kämpfen.</p>
<p>„Du wagst es?&#8221;, spricht mein Kopf.</p>
<p>„Du verlierst dich!&#8221;, flüstert mein Herz.</p>
<p>Doch das Niederlegen von Tafeln ist keine Kapitulation. Es ist Demut vor der Mannigfaltigkeit der Schöpfung. Wer das begreift, ist frei.</p>
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		<title>Wer ist eigentlich Chantal Biya?</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Sep 2009 12:58:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>michel</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[

Wer sich im vergangenen Jahr, am vierzehnten November, am Place Fontenoy in Paris die Beine vertrat, musste wohl nicht schlecht gestaunt haben, als vor dem Sitz der UNESCO aus einem schwarz, betont unauffälligem Mercedes ein Wesen entstieg, dass aus einer anderen Welt zu kommen schien. Eine feuerrote, turmhohe Mähne umschloss das ein wenig runde Gesicht, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!--[if !mso]> <mce:style><!  v\:* {behavior:url(#default#VML);} o\:* {behavior:url(#default#VML);} w\:* {behavior:url(#default#VML);} .shape {behavior:url(#default#VML);} --><!--[endif]--><!--[if gte mso 9]><xml> Normal   0   21                         MicrosoftInternetExplorer4 </xml><![endif]--><!--[if !mso]><span class="mceItemObject"   classid="clsid:38481807-CA0E-42D2-BF39-B33AF135CC4D" id=ieooui></span> <mce:style><!  st1\:*{behavior:url(#ieooui) } --><!--[endif]--><!--  --></p>
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Wer sich im vergangenen Jahr, am vierzehnten November, am Place Fontenoy in Paris die Beine vertrat, musste wohl nicht schlecht gestaunt haben, als vor dem Sitz der UNESCO aus einem schwarz, betont unauffälligem Mercedes<a href="http://i.telegraph.co.uk/telegraph/multimedia/archive/01388/cameroon-first-lad_1388185i.jpg" target="_blank" rel="lightbox[522]"> ein Wesen entstieg, dass aus einer anderen Welt zu kommen schien.</a> Eine feuerrote, turmhohe Mähne umschloss das ein wenig runde Gesicht, in das jemand mit viel Grazie perfekt gezupfte Brauen und einen Mund implantiert hatte, der mit seiner roten Warnfarbe gleichzeitig ‚Küss mich&#8217; und ‚Made in OP&#8217; zu sagen schien. Zudem stöckelte das Wesen so zielstrebig auf das Eingangsportal der ‚United Nation Education, Scienes and Culture Organisation&#8217; zu, dass man meinen mochte, es wäre ihre Gartenlaube, zumindest aber, ein von ihr gestiftetes Wohnheim für bedeutungslose Bürokraten. Dabei legte sie einen Gang an den Tag, der wohl aus einer Vanity Fair ausgeschnitten seien musste. Kurzum, der verwirrte Schaulustige kam nicht umhin, sich zu fragen, wer dieses propere, haarige Ding denn seien möge?<span id="more-522"></span></p>
<p><!--[if gte vml 1]> <![endif]--> Nun, die Löwenmähne, vor der jeder König der Tiere vor Neid erblasst wäre, war bereits ein recht zuverlässiges Indiz für das Verbreitungsgebiet. Heimisch in Zentralafrika, Kamerun, wusste der, die Situation ebenfalls beobachtende, Hr. Google zu berichten und Fr. Wikipedia konnte noch hinzufügen, dass es sich wohl um ein Exemplar der gemeinen <em>beatrixus verhoevenumus</em> oder einfach um ein <em>chantalus biyaimusus</em> handeln müsste.</p>
<p>Wäre der zutiefst neugierige Schaulustige der Prozession gefolgt, die sich nun tatsächlich anschickte, das Haus der UNESCO zu betreten, hätte er nicht nur erfahren, dass Chantal Biya dort tatsächlich erwartet werde, sondern auch, dass sie Frau und geliebte First Lady des ein wenig <a href="http://2.bp.blogspot.com/_JF8UtJK3aog/R_L_M-0Kt8I/AAAAAAAAFQQ/4YoGf1FQ4HU/s400/Chantal%2BBiya.jpg" target="_blank">undemokratisch gewählten, kamerunschen Staatspräsidenten Paul Biya</a> sei. Zudem hätte der nun vollends beeindruckte Wissbegierige einen Flyer in die Hand gedrückt bekommen, der eine Veranstaltung zur Ehrung gewisser Chantal Biya und ihre Ernennung zur <a href="http://portal.unesco.org/es/files/45348/12418663225UNESCO%27s_Director-General_and_Mrs_Chantal_Biya,_First_Lady_of_Cameroon_2.jpg/UNESCO%27s%2BDirector-General%2Band%2BMrs%2BChantal%2BBiya,%2BFirst%2BLady%2Bof%2BCameroon%2B2.jpg" target="_blank">‚Botschafterin des Guten Willens&#8217; der UNESCO</a> gepriesen hätte, um dann diskret zur Tür hinausgeleitet zu werden.</p>
<p>Für alle, die der anschließenden Zeremonie aus Zeitgründen oder wegen mangelnder, internationaler Prominenz ferngeblieben sind, hier, einige wenige Hintergründe, die zu dem Besuch der, in forma einem Ludwig XIV. aus dem 14. Jahrhundert ähnelnden Frau, bei der herrschenden Bürokratenschicht von Paris führten.</p>
<p>Chantal Biya ist der Schafspelz, in den sich der korrupte, autoritär regierende kamerunsche Staatschef Paul Biya gerne kleidet. Sie betreibt eine Caférunde für Gattinnen käuflicher, kamerunscher Minister und ausländischer Diplomaten, den sie hochtrabend ‚Kreis der Freunde Kameruns&#8217; nennt und der so bedeutungslos wie zeitraubend für die Beteiligten ist. Zudem hebt sie selbst gerne in der Öffentlichkeit hervor, wie sehr sie sich für den Kampf gegen AIDS einzusetzen &#8230; *pardon* &#8230; in Szene zu setzen versteht. In Kamerun selbst ist sie einsamer Platzhalter aller (staatlich gelenkten) Klatschtitelseiten. Doch wurde ihr international nicht vorhandenes Renommée immens durch die Auszeichnung als ‚Botschafterin des Guten Willens&#8217; der UNESCO aufgemöbelt, zu deren ehrenhaften, die UN-Organisation entehrenden, Verleihung sie nun angereist war. Grund für die unverständliche Entscheidung des Generaldirektors Koïchiro Matsuura zu der Ernennung war &#8230;</p>
<blockquote><p>&#8230; une récompensation à la Première Dame camerounaise &#8221; en reconnaissance de l&#8217;appui de longue date apporté par Mme Biya à l&#8217;éducation inclusive, en particulier en faveur des filles, des jeunes femmes, des orphelins et des plus démunis, ainsi qu&#8217;à la recherche, au traitement et à la prévention du VIH et sida, que ce soit dans le cadre de son organisation Synergies Africaines contre le sida et les souffrances, qui associe d&#8217;autres Premières Dames africaines, de son travail avec le projet de l&#8217;UNESCO de lutte contre le sida Families First Africa, ou des activités du Centre international de recherche sur le VIH / Sida qui porte son nom et qui est basé à Yaoundé (Circb ndlr) &#8220;.</p></blockquote>
<p>Kurz, eine Belohnung für Chantal in Anerkennung ihres langen Engagements für Bildung, Mädchen und  Frauen, Waisen, Mittellose, Aids und Forschung.</p>
<p>Das ganze Programm eben. Und sicher hätte man auch noch Bettler erwähnt, wäre Chantal Biya auch nur jemals bei einer kleinen Spende von ein paar Cent an einen Bedürftigen erwischt worden.</p>
<p><!--[if gte vml 1]> <![endif]-->Doch all dies ist nun geschehen und somit auch nicht rückgängig zu machen. Was jedoch aufstößt, sind die Folgen, des geschmacklosen Ritterschlags einer Quasidiktatur in Afrika. Denn neben Chantal existieren nur drei afrikanische Ehrenpreisträger. Neben dem renommierten Wissenschaftler Cheick Modibo Diarra und dem, mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichneten, Wole Soyinka, ist auch Nelson Mandela Mitglied des einst achtbaren Vereins. Bleibt zu Hoffen, dass dem Friedensnobelpreisträger, der bereits für Zuma die Werbetrommeln rühren musste, die demütigende Begegnung mit der ihm nun gleichgestellten Lächerlichkeit erspart bleibt.</p>
<p><!--[if gte vml 1]> <![endif]-->Doch nun von <a href="http://cdn.picapp.com/ftp/Images/8/a/d/8/US_Doctors_For_1a5a.jpg" target="_blank" rel="lightbox[522]">Paris zu Paris</a>. Denn Chantal pflegt zu allen Mächtigen der Welt einen engen Kontakt. In einem Nachtclub krallte sie sich Paris Hilton im wahrsten Wortsinne, die tapfer lächelnd wahrscheinlich nicht einmal wusste, für wen und was sie gerade Werbung machte. Hauptsache Publicity! &#8230; auch für Paris.</p>
<p>Weiterhin kam im März diesen Jahres ein gerngesehener Gast bei Chantal in Kamerun vorbei. Ratzinger alias Benedikt XVI. alias Seine Heiligkeit gab sich die Ehre. Während des <a href="http://www.bild.de/BILD/news/2009/03/21/papst-in-angola/papst-praesidenten-gattin-11813578-mfbq,templateId=renderScaled,property=Bild,width=227.jpg" target="_blank">obligatorischen Kniefalls</a>, wäre Chantal Biya jedoch beinahe, von der Last ihrer Haare zu Boden gedrückt, nicht mehr in die Senkrechte gekommen. Doch der freundliche, gebrechliche Greis vor ihr stützte sie und verhinderte Schlimmeres. Es blieb also bei einer kleinen Bagatelle und der Papst konnte seine Frohe Botschaft ‚Kondome sind Shit&#8217; und schlecht für die religiöse Gesundheit an den Mann und an die Frau bringen. Chantal und ihr Paulchen, wie sie ihn auch offiziell lieblich nennt, konnten hingegen ein wenig Licht der Legitimation ihrer Herrschaft durch den strahlenden Glanz seiner Heiligkeit für sich sichern. Vielen Dank, lieber deutscher Papst!</p>
<p><!--[if gte vml 1]> <![endif]--> Schließlich bleibt nur zu erwähnen, dass Chantal ihr Leben und ihre Lebensintention hat in literarischer Form gerinnen lassen. Unter dem Titel ‚<a href="http://ec1.images-amazon.com/images/P/2845869789.01._SCMZZZZZZZ_.jpg" target="_blank" rel="lightbox[522]">La passion de l&#8217;humanitaire</a>&#8216;, ‚Die Leidenschaft der Menschenliebe&#8217;, fachsimpelt geborene Verhoeven über ihren überschwänglichen Enthusiasmus und kommt selber zu dem Schluss, nicht zu wissen, warum sie so ein guter Mensch sei.</p>
<p>Nun, bei dieser Frage vermag auch ich ihr nicht mehr zu helfen. Ich verweise da auf Mandela, der kennt sich damit aus.</p>
<p>Punktum. Chantal Biya ist ein Niemand.</p>
<p>Ein Püppchen am Arm eines Autokraten auf Lebenszeit. Von einem „fille des rues&#8221;, einem leichten Mädchen von der Straße, aufgestiegen zu einem unbeschriebenen Blatt mit dem Hang zur pseudoaltruistischen Selbstdarstellung, das nun, weil niemand es kennt, zum Retter des afrikanischen Kontinents hochstilisiert wird.</p>
<p>Wenn Sie, liebe Leser, nun eine gute Tat tun wollen. Wenn Sie mithelfen wollen, die Welt ein wenig besser zu machen, dann sei Ihnen hier die Gelegenheit gegeben.</p>
<p>Schließen Sie die Augen, gehen Sie das, was Sie über Chantal Biya erfahren haben Wort für Wort durch &#8230;</p>
<p>&#8230; und vergessen Sie es. Vergessen Sie ihre monströse Perücke, ihre UNESCO-Ehrung, ihre lächerliche Selbstbeweihräucherung und ihre Entweihung der großen Menschheitsideale und ihrer Verfechter. Bitte helfen Sie Afrika und vergessen Sie. Vergessen Sie die ganze Person Chantal Biya. Denn nur durch das Vergessen können wir der Banalisierung der afrikanischen Sache entgegenwirken.</p>
<p>Stellt sich also am Schluss letztlich nur eine Frage.</p>
<p><em>Wer ist eigentlich Chantal Biya?</em></p>
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		<title>Von einem, den ich ich nenne</title>
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		<pubDate>Sun, 23 Aug 2009 13:57:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>michel</dc:creator>
		
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			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal">Am 24. Juni, einem Tag, an den ich mich nur noch verschwommen erinnere, brachten mich einige Freunden, die es nicht mehr hatten mit ansehen können, ins Krankenhaus im Stadtteil Cité Verte von Yaoundé. Der einstöckige heruntergekommene Bau, an dessen Eingang den Besucher zwei massive, eiserne Torflügel begrüßen, verhielt sich anfangs ein wenig abweisend. Nachdem jedoch einer meiner Freunde mir mit einem Geldschein Eintritt verschaffen hatte, erklärte man sich bereit, mir ein Zimmer zu überlassen.</p>
<p class="MsoNormal"><span id="more-513"></span> Ich selbst erinnere mich an diese Begebenheiten nicht mehr. Nachdem man mich im Vorzimmer abgelegt hatte und sich mit den anwesenden Ärzten stritt, muss ich weggetreten sein.</p>
<p class="MsoNormal">Ich war müde. Hatte keinen Geschmack und offene Wunden im Mund. Meine Bewegungen waren die eines achtzigjährigen Mannes und meine Finger zitterten vor Schwäche. Das Blut in meinem Körper verlor zusehends die natürliche Farbe und verflüssigte sich zu Wasser. Wenn Aids der Star unter den Krankheiten ist, die meine Heimat schütteln, dann ist Malaria der grau gekleidete Mann, den niemand kennt. Und er hält weit reichere Einfuhr.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">In der Notaufnahme angekommen, forderte man 15.000 CFA von mir, um mit der Behandlung zu beginnen. Mir fehlte ein Drittel der verlangten Summe, sodass der Arzt sich weigerte mich zu untersuchen. Selbst auf die Versicherung hin, man würde das restliche Geld nachreichen, blieb er eisig und schrieb mit Rotstift in die aufgeschlagene Krankenakte „bien vouloir ne s’interesser au patient […] que s’il regularise ses factueres et paie son suivit.“, wonach man mich nur zu behandeln hätte, wenn das Geld vollständig vorläge.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Am nächsten Tag kehrte meine Tante mit Geld zurück und beglich entstandene Schulden. Auch hatte sie einige Mittel von Freunden zusammengeklaubt, dass ich dem Arzt übergab, er möge davon Medizin für mich kaufen. Bis zum Abend bekam ich für einen Teil dessen einen Tropf und Beruhigungsmittel. Doch bereits am Morgen lag ich mit brennendem Fieber nieder und reagierte nicht mehr auf die Forderungen der Krankenschwester nach weiterem Geld. Erst am Nachmittag konnte ich ihr erklären, dass ich mittelloser Student sei, aber den Chef des Krankenhauses persönlich kenne. Doch dieser war für einen Urlaub nach Europa abgereist und auf Nachfrage nicht zu erreichen, sodass mir eine weitere Behandlung verweigert wurde.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Als ich zwei Tage später erwachte, waren meine Schulden auf 60.000 CFA explodiert. Der Arzt hatte, entgegen eigener Aussage, interventioniert und mir mit Medikamenten das Leben für eine weitere Nacht erhalten. Ich zitterte und spukte Blut, das zunehmend dünnflüssiger wurde. Blutarmut, sagte die Krankenschwester hinter vorgehaltener Hand und nickte betrübt, jaja, Blutarmut, das ist offensichtlich. Der Arzt kam vorbei und informierte mich darüber, dass mein Gehirn nun von der Krankheit angegriffen würde. Die Sauerstoffzufuhr gestalte sich zudem schwierig. Ich hörte ihm zu und spukte Blut. Meine Mundhöhle hatte begonnen sich in eine Kraterlandschaft zu verwandeln.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">In der Nacht durchliefen meinen gelähmten Körper leichte Zuckungen. Eine ‚Sonderbehandlung’ würde notwendig werden, runzelte der Arzt die Stirn und ob ich diese wolle. Die Kraft den Kopf zu schütteln war mir nicht mehr gegeben. Am Morgen des darauf folgenden Tages lag mein Körper ruhig auf der Bahre. Keine Krämpfe, kein Husten schüttelten ihn mehr. Nur ein dünner Faden rötlichen Speichels lief aus dem Mund und auf der Stirn standen noch immer Schweißperlen, die im Licht der kalten Neoröhren zu wunderschönen Edelsteinen gerannen. Die Schritte der vorbeieilenden Menschen hallten minutenlang nach und voller Staunen betrachtete ich noch einmal das Wunder, das sich Leben nennt. Und meinen mageren Körper, der lag und sich nicht rührte. Dem die Kraft entwichen war.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Dann schloss ich die Augen.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><em>(Die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten.)</em></p>
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		<title>Einen King braucht es !</title>
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		<pubDate>Sun, 09 Aug 2009 15:28:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>michel</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Neonarzius antiimigrantus ist eine Krankheit. Sie befällt das Gehirn und vermindert Denk- und Gedächnisleistung. Betroffene können sich oft an selbst markante, geschichtliche Daten wie den Holocaust nicht mehr erinnern. Zum Ausgleich erfolgt eine vermehrte Hormonausschüttung. Testosteron und Adrenalin fördern asoziales, aggressives Verhalten, sodass der Befallene der Halluzination anheim fällt, er müsse Jagd auf andere Menschen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Neonarzius antiimigrantus</strong> ist eine Krankheit. Sie befällt das Gehirn und vermindert Denk- und Gedächnisleistung. Betroffene können sich oft an selbst markante, geschichtliche Daten wie den Holocaust nicht mehr erinnern. Zum Ausgleich erfolgt eine vermehrte Hormonausschüttung. Testosteron und Adrenalin fördern asoziales, aggressives Verhalten, sodass der Befallene der Halluzination anheim fällt, er müsse Jagd auf andere Menschen machen.</p>
<p><span id="more-508"></span>Diese Verhaltensstörung geht einher mit der noch unerforschten ästetischen Verirrung, wonach viele Erkrankte zu schwarzgrauen Bomberjacken und braunen Springerstiefeln neigen. Schließlich ist noch der Trend der Zusammmenrottung von Befallenen in sogenannten Werwolfverbänden zu erwähnen.</p>
<p>Zur Zeit der Fußballweltmeisterschaft entsetzte sich die deutsche Gesellschaft über „<a href="http://www.zeit.de/online/2006/48/No-Go-Areas-Fussball" target="_blank">NoGo-Areas</a>“ für Ausländer in dem Land, bei dem die Welt zu Gast bei Freunden war. In den Jahren 2004 und 2006 zogen die neonazistische NPD und DVU unter bürgerlichem Protest in die mecklenburgischen, sächsischen und brandenburgischen Länderparlamente ein. Erst vor wenigen Monaten ging das Innenministerium gegen die „<a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,616551,00.html" target="_blank">Heimattreue Deutsche Jugend</a>“ vor und stellte Berge von ausländerfeindlichem Hetzmaterial sicher. Seltener, aber immer wieder kommt es auf den Straßen Deutschlands zu Gewalt gegen Türken, Afrikanern und solche, die es vermeintlich sind.</p>
<p>Rassismus ist in Europa eine Krankheit.</p>
<p>In Afrika ist es eine Seuche.</p>
<p>Vom öffentlichen Interesse in Europa weitgehend unbemerkt hat sie sich auf dem schwarzafrikanischen Kontinent ausgebreitet. Permanente, unterschwellige Diskriminierung von Weißen. Mal parolenhaft laut, mal als Nebensatz en passant, oft in Vorwürfen kaschiert. Tief, tief in vielen afrikanischen Köpfen sind die Worte <strong>„Ihr, ihr Weißen …“</strong> worauf kindlich dumme Pauschalisierungen folgen. Weiße haben keine Sorgen. Weiße fühlen sich als Herrenmenschen und betrachten Schwarze als Affen. Weiße verführen junge Afrikanerinnen zur Prostitution und planen stetig Verschwörungen. Einzig das Brunnenvergifterargument fehlt bis dato.</p>
<p>Zur Behandlung der gesellschaftlichen Erkrankung, das zeigen erfolgreiche, noch immer laufende Therapien in Nordamerika und Westeuropa, kann einzig auf das Mittel ,öffentliche Diskussion’ gesetzt werden. Die USA, die sich als erstes Volk diesem Thema in enormer Heftigkeit stellen mussten, haben vor kurzem einen Mann zum Präsidenten gewählt, der zum Teil afroamerikanischer Abstammung ist. Diese Errungenschaft wurde im übrigen von vielen Afrikanern nicht als Sieg gegen den Rassismus, sondern als gegen die weißen, reichen Weltbeherrscher, verstanden. In den USA begann die Behandlung der sklavenhaltenden Krankheit Rassismus mit dem amerikanischen Bürgerkrieg und erlebte mit dem großen Träumer Martin Luther King einen Höhepunkt. In seiner epochalen Rede &#8220;<a href="http://www.famous-speeches-and-speech-topics.info/martin-luther-king-speeches/martin-luther-king-speech-i-have-a-dream.htm" target="_blank">I have a dream</a>“<a href="http://www.famous-speeches-and-speech-topics.info/martin-luther-king-speeches/martin-luther-king-speech-i-have-a-dream.htm"></a> trieb der schwarze Bürgerrechtler dem rassistischen Establishment die Schamesröte ins Gesicht und die unterdrückten Minderheiten in den zivilen Widerstand. Nie wieder sollte der Ruf <strong>„Hey Nigger!“</strong> über die Straßen tönen.</p>
<p>Nun, in Afrika ist das noch heute Realität. <strong>„Le blanc“</strong>, <strong>„atangana“</strong> und <strong>„white“</strong> vermag die Straße nicht zu überqueren ohne einen beleidigenden Rattenschwanz hinter sich her zu ziehen. Weiße Afrikaner gibt es nicht. Man lebt als bestaunter, aber nicht selten angefeindeter Fremder unter Fremden. Einzig Südafrika hat unter dem anderen großen Träumer Mandela Nelsen einen ersten Schritt gemacht und den schwarzweißen Rassismus zum Diskurs gestellt. Südafrika hat mit Mandela einen anderen großen King gehabt, der die Krone abgab, als er gewonnen hatte. Dafür gebührt ihm Hochachtung. Doch in den anderen Ländern Afrikas? In Simbabwe, in Mali, in Kamerun? Der Gedanke, dass Rassismus auch gegen Weiße existiert, dass Schwarze nicht nur Opfer sein können, dieser Gedanke muss in der afrikansichen Zivilgesellschaft erst noch entdeckt werden. Es braucht einen neuen Traum für Afrika. Einen neuen Träumer.</p>
<p>Es braucht einen afrikanischen Martin Luther King.</p>
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		<title>Ooh, welch Märtyrer!</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Aug 2009 14:50:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>michel</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[„Wir müssen das Morden stoppen!“, haucht Angelina Jolie, den Tränen nahe, in die Kamera. Auf ihren Knien ein schwarzer, kleiner Junge mit Hungerbauch. Dann fährt sie fort, das Böse dieser Welt an den Pranger zu stellen. An ihrer Seite Brad, vor dem ebenso kein Flüchtlingslager in den weiten afrikanischen Landen sicher ist. Derweil trauert Georg [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Wir müssen das Morden stoppen!“, haucht<a href="http://www.bonner-aufruf.eu/index.php?seite=neues&amp;ref=36&amp;PHPSESSID=9bedbce9a8810c61be4eeb7609980ba4" target="_blank"> Angelina Jolie</a>, den Tränen nahe, in die Kamera. Auf ihren Knien ein schwarzer, kleiner Junge mit Hungerbauch. Dann fährt sie fort, das Böse dieser Welt an den Pranger zu stellen. An ihrer Seite Brad, vor dem ebenso kein Flüchtlingslager in den weiten afrikanischen Landen sicher ist. Derweil trauert Georg Cloony im Darfur, Grönemeyer um Ruanda und <a href="http://www.netzeitung.de/entertainment/people/1274257.html" target="_blank">Salma Hayek</a> nährt - man staune! - ein fremdes, weil schwarzes, Kind an der eigenen Brust. Eine spontane Entscheidung, wie sie später vor Rührung sagen wird.</p>
<p><span id="more-483"></span></p>
<p>Dieser Elendstourismus, mit der die Zweckehe zwischen Hilfsorganisationen und Prominenten immer wieder ihren Höhepunkt erreicht, ist wohlbekannt. Die schuldigen Freizeitweltenretter bekennen sich, weil von einem Überbord an Nächstenliebe befallen, auch regelmäßig dazu. Sie kitzeln mal hier, mal dort ein wenig mehr Entwicklungshilfe, ein paar mehr Spenden heraus. Wie in Heiligendamm, wo die Kanzlerin mal schnell 700 Millionen locker machte, „<a href="http://www.bonner-aufruf.eu/index.php?seite=neues&amp;ref=36&amp;PHPSESSID=9bedbce9a8810c61be4eeb7609980ba4" target="_blank">damit der Grönemeyer endlich Ruhe gibt</a>“. Dieses Engagement bringt wenig, da Afrika in den Spendengeldern ertrinkt, die richtig angewendet, die Länder des Schwarzen Kontinents schon längst ins 21. Jahrhundert katapultiert hätten. Aber es macht sich gut auf Titelseiten. Davon freilich, dass sie marode Diktaturen sanieren, Korruption begünstigen und Afrika in eine selbst- und fremdverschuldeten Abhängigkeit zwingen, davon wissen wenige. Und wenn, dann schweigt man des guten Gewissens willen. Man will ja nicht schuld an der Misere sein. Ein Schelm, der böses denkt.</p>
<p>So weit, so gut. Man weiß um die Thematik und verbannt sie ins Reich der yellow press, der Boulevardblätter, der „Bild dir meine Meinung“-Zeitungen.</p>
<p>Doch weit gefehlt. Bei einem eher zufälligen Besuch des Goetheinstituts fiel mir vor einigen Tagen eine Ausgabe der ZEIT in die Hände. Auf den 25. Juni 2009 datiert, war sie wohl ein wenig verspätet über die Alpen und das Mittelmeer geflogen und hatte sich dann mittels Karawane durch die Sahara und die südlich gelegenen Subsavannen geschlagen, um mir, einem geistig fast Verhungerten und nach Nachrichten aus der Heimat Gierenden, in die Hände zu fallen. Zwischen Mutmaßungen über das anstehende Karlsruher Urteil zum Lissabonvertrag und Weltökonomieberichten entdeckte ich, unter der Rubrik Dossier, einen Text, der dank mich betreffender Überschrift fesselte. „<a href="http://www.zeit.de/2009/27/DOS-Schlingensief" target="_blank">Ein Opernhaus für Ouagadougou</a>“ las ich und erinnerte mich an den schier unaussprechlichen Namen der Hauptstadt des Wüstenstaates Burkina Faso. Ein Text über einen Künstler namens Christoph Schlingensief, der schwer an Krebs erkrankt durch Afrika reise und einen Ort für sein zu bauendes Opernhaus suche. Die Autorin Anita Blasberg sang dabei einen Heldenethos auf einen undurchschaubaren, wirren, ja beinahe verrückten, und damit zu bewundernden, Künstler, dem die ZEIT in einem Künstlerproträt später den Beinnamen „<a href="http://www.zeit.de/2009/31/Portraet-Lars-Rudolph" target="_blank">Der Danebenstehende</a>“ verlieh.</p>
<p>1960 als Sohn katholischer Eltern in Oberhausen geboren und dank eines unsteten Charakters und einem Gespür für Kunst an diversen in Erinnerung bleibenden Werken beteiligt, wie &#8216;Lola rennt&#8217; und &#8216;Der Krieger und die Kaiserin&#8217;, inszeniert er in Bayreuth gar Wagners &#8216;Parzival&#8217;. Doch im Alter von 47 Jahren breitet sich in seinem linken Lungenflügel der Krebs aus. Tief getroffen schwört er am Grab seines Vaters „dieses Opernhaus zu bauen. Ein Opernhaus, eine Krankenstation, eine Schule.“ Irgendwo in der afrikanischen Unendlichkeit. Wahlweise in Burkina Faso, einem Land mit einer Analphabetenrate von 80 Prozent. Was für ein Wahnsinnsprojekt, möchte man sagen. Man lächelt innerlich ein wenig über den Aberwitz mit dem dieser entrückte Künstler sein Leben beenden, oder besser verewigen will, und schaut wohlwollend der Verpflanzung von Kultur ins Nichts zu. Was für eine wahnsinnige, aber brillante Idee!</p>
<p>&#8230; und tappt dabei in die gleiche - diesmal vermeintlich intellektuelle - Falle wie Brangelina- und Cloonyfans. Erneut wissen wir, was gut für den Rest der Welt ist und wie geholfen werden kann. Wir wollen nicht so wirklich verstehen, wie die dortige Kultur ist und so verstehen wir auch nichts. Schlingensiefs Vision, wenn man ihm denn solche zugestehen möchte, ein Opernhaus aus dem Wüstensand Burkina Fasos zu stampfen, käme einer inszenierten - aber realen -, traditionellen Walfangjagd von Inuits in der Spree gleich. Eine Demonstration von Kultur, für die es in dem betreffenden Land kein Verständnis gibt. Nicht geben kann. Theater, wie es Herr Schlingensief betreibt, ist reine europäische Kulturgeschichte. In Burkina Faso/Afrika, wo es niemals eine einheimische Bürgerschicht gegeben hat und es somit auch niemals zu bürgerlichen Errungenschaften, so dem Schauspiel wie in China, Amerika, Indien oder Europa gekommen ist, erscheinen Herr Schlingensief und sein Opernhaus wie von einem anderen Gestirn.</p>
<p>Bei einer seiner letzten Inszenierungen in Europa ließ er einen Hasen von Würmern zerfressen über die Bühne hoppeln, um den in ihm wütenden Krebs und die Wiedergeburt des Lebens zu beschreiben. Das versteht in Europa ein eingeschränktes Publikum. In Afrika ist es lächerlich.</p>
<p>Herr Schlingensief hat eine andere Welt betreten, die er nicht im Ansatz versteht und das intellektuelle Proletentum feiert ihn dank seines entrückt verrückten Humanismus&#8217;. Deutlich wird dies an seinem bohemienhaften Verhalten. Bei einer Ansprache in dem Wüstenstaat schrie er den versammelten Afrikanern den Preis seiner Krebsmedikamente ins Gesicht. „1500 Euro!“, rief Schlingensief, „Die könntet ihr euch nicht leisten. Nur um mein Leben ein bisschen zu verlängern.“ Summen, die keiner der Anwesenden jemals in Händen halten wird. In Europa klatscht man für solch ehrliche, weil selbstkritische Worte. In Afrika sind sie schamlos.</p>
<p>Weniger als der Fakt der Ungerechtigkeit, für den Schlingensief nichts kann, ist seine Taktlosigkeit beschämend. Seine Unfähigkeit, sich in eine andere kulturelle Umgebung zu versetzen, Befindlichkeiten zu verstehen und seine offensichtlich marxistisch angehauchte Ideologie, man müsse dem Menschen sein Elend ins Gesicht schreien, um aus dem proletarischen Jammertal ein Paradies auf Erden zu machen. Doch Herr Schlingensief holte noch weiter aus und klärte die Versammelung über die großen Glaubensfragen auf. „Mohammed, Jesus und alle Geister, die wir anrufen, sind eine Person, und die sind wir selbst.“ Dieser Ausspruch vor einem durch und durch gläubigen Publikum muss gewirkt haben, wie der Auftritt eines Kim Jong Ils in einem deutschen Humanistenkongress, wo er das Ende der Menschenrechte herbeigeredet hätte. Kein Empathievermögen, kein Wille, der fremden, aber heimischen Kultur auch nur auf Augenhöhe zu begegnen. Ganz davon zu schweigen, dass es noch nicht einmal sicher ist, ob der heimischen Kultur mit der Errichtung eines Opernhauses überhaupt gedient wäre. Verwestlichung möchte man schreien und meint doch eher Verwüstlichung. Welchen Sinn, sehr geehrter Herr Schlingensief, hat ein Ballhaus in einem Wüstenort vier Stunden abseits der bereits dörfischen Hauptstadt, wie Sie es sich anfangs wünschten?</p>
<p>Kunst muss stets auf freien, freiwilligen Beinen stehen. Sie ist eine Errungenschaft. Sie ist ein Konstrukt des freien Geistes. Nicht umsonst waren es die Künstler, die seit jeher als revolutionär und umstürzlerisch beschrieben wurden. Der Export rein europäischer Kunst in ein Wüstenland mit einer reichen, aber allenfalls stamm- und nomadisch geprägten Kultur ist Zwang, der gut gemeint, aber jakobinisch falsch ist. Gut gemeint ist, wie ich müde werde zu betonen, noch lange nicht gut. Sollte der Aufbau gelingen, was zu bezweifeln, aber zu befürchten bleibt, so wird das Opernhaus auf absehbare Zeit eine schwelende Ruine sein. Wie vieles, was noch vor kurzer Zeit Zeichen des Aufbruchs war. Das ist Afrikas Fluch. Das wird auch Herrn Schlingensiefs Fluch und Ende sein.</p>
<p>Übrigbleiben wird der Nachgeschmack einer verrückten Idee, die so neu nicht war … man erinnere sich an eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Teatro_Amazonas" target="_blank">ähnliche Vermessenheit im Amazonasgebiet</a> um 1896. Und was hat es sonst schon noch gekostet? Eine Ruine vergammelt nun irgendwo in Afrika, weißnichtwo, ein paar Spendengelder wurden verpufft. Aber das ist ja sowieso egal. ’s ist ja nur Geld, [das anderswo geholfen hätte]. Und ein Grabstein wird bleiben, von einem Mann, der sich einen Ablass in Afrikas Weiten erkaufen wollte und dessen so kindisch, wie krude Idee für ernst genommen, weil aus einem Künstlermund gesprochen wurde. Erinnerungen an einen Mann, der, vor Jahren das erste Mal in Afrika angekommen, alle in nächster Nähe vorhandenen Malariamedikamente schluckte, weil er sich in panischer Angst eine Erkrankung einbildete. Naiv und ängstlich bis ins Mark. Dabei künstlerisch begabt, aber von einer Weltabgewandtheit, die Schmerzen macht. „Man sieht ihn […] noch einmal aus dem Hotel stürmen, weil er vergessen hat, dem Fahrer ein Trinkgeld zu geben. An keinem Bettler kommt er vorbei, ohne etwas aus der Tasche zu ziehen. […] Vielleicht soll es auch eine Ablassleistung sein.“ Resümiert die ihn begleitende Journalistin seinen Charakter. Ein nicht böser, aber heillos verwirrter und verwirrender Mensch. Keine tätowierte Adoptionsmaschine aus Hollywood. Aber auch kein Weltenretter. Ein Mann in einer Sinnkrise, der sich die größte Krise ohne Sinn ausgesucht hat und nun unter Vermeidung von Verstand, aber mit viel Begeisterung für die Rettung der Welt wirbt.</p>
<p>Dazu ruft der intellektuelle, deutsche Afrikafreund ‚Bravo’ und ‚Weiter so!’. So auch der deutsche Außenminister Steinmeier, der Schlingensief in einer Rede anlässlich der Konferenz „Menschen bewegen II“ am 23.04.2009 Beistand „mit Rat und Tat“ zum Projekt „Festspielhaus Afrika“ zusicherte. Gleichwohl ließ Steinmeier zuvor, ohne sich des Bezuges bewusst zu sein, ein Zitat Alexander von Humboldts fallen „Die schlimmste aller Weltanschauungen, ist die derjenigen, die die Welt nie angeschaut.“ und fügte wider das Gutmenschtum an „<a href="http://www.schlingensief.com/" target="_blank">Deswegen müssen wir diesen Dialog führen ohne Naivität und Kinderglaube „nur an das Gute dieser Welt“! [...] Darauf kommt es an.</a>“.</p>
<p>Ob er sich der Ironie seiner Worte bewusst war?</p>
<p>Wohl eher nicht.</p>
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		<title>Die spinnen, die Europäer!</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Aug 2009 17:47:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>michel</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[ Vor wenigen Tagen erzählte mir ein Freund von zwei Begebenheiten, die einem seiner Onkel passiert seien, als dieser aufgrund von Geschäften in Europa weilte. Ich gebe diese wortgetreu und ohne Zusätze wieder. 
 Besagter Onkel speiste eines Tages in einem Restaurant. Er bestellte sich ein Hühnchen, die er an der deutschen Küche am meisten [...]]]></description>
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Ich gebe diese wortgetreu und ohne Zusätze wieder. </em></span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE"><span> </span>Besagter Onkel speiste eines Tages in einem Restaurant. Er bestellte sich ein Hühnchen, die er an der deutschen Küche am meisten liebte. Vor allem bevorzugte er es nach dem Verspeisen die dünnen Knochen aufzubrechen und das Mark genüsslich herauszuschlürfen. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE"><span> </span>Nach einer Weile kam der Kellner an seinen Tisch und bat ihn dieses zu unterlassen.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE"><span id="more-479"></span>Er würde die Gäste verscheuchen. Erst in diesem Augenblick wurde dem Onkel bewusst, dass die Tische um ihn herum verlassen waren. Der Kellner entschuldigte sich und verwies darauf, dass in Europa die Knochen nur die Hunde fressen würden. Der Onkel versprach seinerseits, dies nun zu unterlassen. Wenige Zeit später kamen dann auch weitere Gäste und speisten an den Tischen neben dem Onkel. Eine Dame auf seiner rechten Seite bestellte sich einen Salat mit italienischem Dressing. Verwirrt winkte der Onkel den Kellner heran.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE"> <strong>„Warum isst die Dame dort rechts rohe Pflanzen wie ein Schaf?“</strong></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE"><span> </span>Wenige Tage später befand sich der Onkel auf der Rückreise nach Afrika. Am Flughafen setzte er sich neben einen jungen Mann mit bunten Haar und ein wenig abgerissenen Klamotten, der an einer Leine einen Hund führte. Nach einer Weile schob dieser ihm einen Zettel rüber, auf dem die Zeilen ‚Bitte helfen Sie mir.’ standen. Der Afrikaner schaute ihn mitleidig an und fragte, ob er Hunger hätte. Der andere nickte. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE"> <strong>„Aber warum? Sie haben doch Fleisch.“</strong></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE"><span> </span>Der andere verstand nicht. Dann deutete der Onkel auf den Hund. Der junge Mann stand auf und entfernte sich schleunigst. </span></p>
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		<title>Banani wa’i dunyaru</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Jul 2009 12:24:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>michel</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[aus Kamerun]]></category>

		<category><![CDATA[Bananenblätter]]></category>

		<category><![CDATA[Banani]]></category>

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		<category><![CDATA[Hütte]]></category>

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		<category><![CDATA[Maria]]></category>

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		<description><![CDATA[Marie bückte sich und ordnete Bananenblätter. Mit einer dünnen, spröden Schnur zog sie das Bündel zusammen und hob es sich sie auf den Kopf. Ein wenig unsicher unter dem Gewicht wankte sie zur Tür. Dann hatte sie sich gefangen und trat auf den sonnenüberfluteten Hof. Einige Eidechsen, die zuvor in der Sonne gebadet hatten, huschten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Marie bückte sich und ordnete Bananenblätter. Mit einer dünnen, spröden Schnur zog sie das Bündel zusammen und hob es sich sie auf den Kopf. Ein wenig unsicher unter dem Gewicht wankte sie zur Tür. Dann hatte sie sich gefangen und trat auf den sonnenüberfluteten Hof. Einige Eidechsen, die zuvor in der Sonne gebadet hatten, huschten davon. Ansonsten war der Platz verlassen. Um die Leere zu füllen, die Maria trotz des warmen Tages in ihrem Herzen verspürte, begann sie leise zu singen. Selbst sie musste ein wenig lächeln ob des schweren Liedes, das sie dem schönen Morgen anvertraute.</p>
<p><span id="more-464"></span></p>
<p><em>Banani wa’i dunyaru, sang sie, so ist das Leben und die Welt und das Sein. …</em></p>
<p>Sie schritt langsam über den Platz, dessen rissige Erde den aufgesprungenen Lippen der ältesten Großmutter glich. Und leise drang ihre Stimme in die oberen Äste der Akazie, die sich über sie gebeugt hatte, um ihr besser lauschen zu können. Ansonsten hörte an diesem Morgen niemand das Lied der Maria Samiratou. Auf ihrem Kopf Bananenblätter, die sie der Großmutter für den Maniok versprochen hatte.</p>
<p><em> Duud-dum dubi. Mi yidd-ataa ma!, sang sie, viele, viele Jahre und ich liebe dich nicht. …</em></p>
<p>Sie schritt über die winzige Einfriedung des Gehöftes und wandte sich nach der Straße, die den Berg hinaufführte. Staub spielte um ihre Füße, die in zerschlissen Flechtschuhen stakten. Staub setzte sich auf ihre Knöcheln, die nicht schneeweiß, sondern rabenschwarz waren. Und Staub setzte sich auf ihr erhitztes Gesicht, als sie den Berg hinauf schritt.</p>
<p><em> Dillu. Dillu saare, sang sie, geh, geh nach Hause, …</em></p>
<p>Eine Haarflechte löste sich aus ihrem Schopf und schmiegte sich an den Wind, der das Mädchen umspielte. Denn auch der Wind weiß, wann es sich lohnt für einen Moment zu verweilen. Doch Maria griff hinauf und ordnete die Strähne wieder. Mit der Hand verscheuchte sie den windigen Gesellen, der ihr die Haare zerzaust hatte. Ihr Schritt verlangsamte sich nicht, selbst als sie unter einigen Bananenstauden hindurch ging, die ein wenig Schatten schenkten. Sie hatte es versprochen und ältere Großmutter erwartete sie.</p>
<p><em> Mi huutchi, sang sie, denn ich verlasse dich.</em></p>
<p>Maria bog von der Straße ab und wanderte den ausgetretenen Pfad hinunter, der zu der winzigen Lehmhütte der Großmutter führte. Die lehmige Wand, alterschwach und krumm wie die Großmutter selbst, begrüßte sie mit einem kaum bemerkbaren Lächeln. Im Schatten der Hütte saß die alte Großmutter an die Mauer gelehnt. Die Augen geschlossen.</p>
<p><em> Banani wa’i dunyaru, sang Maria, denn sie hatte begriffen, dass die Erde sich weitergedreht hatte.</em></p>
<p>Sie kniete nieder und legte das Bündel der Bananenblätter sorgsam ab. Dann griff sie in den Staub und rieb ihn sich auf die Stirn. Auf die Wangen und unter die Augen. Roter Sand auf ihrer schwarzen Haut. Maria strich über das faltige, samtene Gesicht der alten Großmutter, die nun schlief.</p>
<p><em> Banani wa’i dunyaru, sang sie und eine Träne entglitt ihren Augen, so ist das Leben und die Welt und das Sein. </em></p>
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		<title>Guss der verlorenen Form</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Jul 2009 12:57:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>michel</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[aus Kamerun]]></category>

		<category><![CDATA[afrikansiche]]></category>

		<category><![CDATA[Foumban]]></category>

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		<category><![CDATA[Gelbguss]]></category>

		<category><![CDATA[Künstler]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie starrt mich an. Ein schwarzes Gesicht, krauses Haar. Die gedrungenen Augenwülste misstrauisch gerunzelt. Ihre weißen Zähne sind aggressiv gebleckt, als wolle sie sich im nächsten Moment auf mich stürzen.

Ich greife nach oben und nehme die afrikanische Maske aus ihrer Wandhalterung. Über und über ist sie mit in ihr Holz eingelassenen Münzen bedeckt. Überbleibsel der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie starrt mich an. Ein schwarzes Gesicht, krauses Haar. Die gedrungenen Augenwülste misstrauisch gerunzelt. Ihre weißen Zähne sind aggressiv gebleckt, als wolle sie sich im nächsten Moment auf mich stürzen.</p>
<p><span id="more-454"></span></p>
<p>Ich greife nach oben und nehme die afrikanische Maske aus ihrer Wandhalterung. Über und über ist sie mit in ihr Holz eingelassenen Münzen bedeckt. Überbleibsel der Europäer, die kamen und gingen und fast immer ein Stück von sich zurückließen. Portugiesische Escudo, französische Francs und sogar deutsche Thaler kann ich erkennen. Zischend fließt neben mir dampfendes, heißes Silber in eine tönerne Maskenform. Zuerst aus Bienenwachs geknetet, dann mit Ton ummantelt, wird das weiche Wachs  anschließend wieder heraus geschmolzen und dann der Hohlraum mit Bronze, Gold oder Silber gefüllt.</p>
<p>„Guss der verlorenen Form“ nennen es die Künstler von Foumban, da jede Form zerstört wird, um das Werkstück herauszuschälen. Und so gleicht kein Schmuckstück dem anderen. Masken, Ketten, Armreifen und Messerscheiden entstehen hier. Dazwischen Fetische und Figuren aus Holz mit verzehrten Gesichtern und metalldurchbohrten Leibern. Unheil sollen sie abwehren und zuweilen schenkt man diesem dank ihrer Fratzen auch Glauben.</p>
<p>Ich trete durch einen zerfransten Vorhang in einen Hinterraum und sehe mich voller Bewunderung um. Stilisierte Elefanten- und Gepardenköpfe, Stühle, Stäbe und sogar ein uralter, verstaubter Zeremonienhut aus dem nahe gelegenen Sultanspalast prangen an den Wänden. Alle traditionell mit Perlen und den weißen Kaurimuscheln bestickt. Staub bedeckt sie und erst unter der Berührung fangen ihre Farben an zu leuchten. Eine halbe Stunde später verlasse ich - schwer bepackt - die Kunstgalerie und verabschiede mich mit den Bamounworten „Poshina“.</p>
<p>Die „Avenue des artisants“, die Straße der Künstler von Foumban, im Westen Kameruns, ist noch ein Refugium für jene, die alte, afrikanische Kunst suchen. Unter breiten Schirmakazien hat sie sich ihre ursprüngliche Natürlichkeit bis auf den heutigen Tag bewahrt.</p>
<p><em>(Dieser Artikel erschien am 11.07.2009 in der Schweriner Volkszeitung)</em></p>
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