Neonarzius antiimigrantus ist eine Krankheit. Sie befällt das Gehirn und vermindert Denk- und Gedächnisleistung. Betroffene können sich oft an selbst markante, geschichtliche Daten wie den Holocaust nicht mehr erinnern. Zum Ausgleich erfolgt eine vermehrte Hormonausschüttung. Testosteron und Adrenalin fördern asoziales, aggressives Verhalten, sodass der Befallene der Halluzination anheim fällt, er müsse Jagd auf andere Menschen machen.
Diese Verhaltensstörung geht einher mit der noch unerforschten ästetischen Verirrung, wonach viele Erkrankte zu schwarzgrauen Bomberjacken und braunen Springerstiefeln neigen. Schließlich ist noch der Trend der Zusammmenrottung von Befallenen in sogenannten Werwolfverbänden zu erwähnen.
Zur Zeit der Fußballweltmeisterschaft entsetzte sich die deutsche Gesellschaft über „NoGo-Areas“ für Ausländer in dem Land, bei dem die Welt zu Gast bei Freunden war. In den Jahren 2004 und 2006 zogen die neonazistische NPD und DVU unter bürgerlichem Protest in die mecklenburgischen, sächsischen und brandenburgischen Länderparlamente ein. Erst vor wenigen Monaten ging das Innenministerium gegen die „Heimattreue Deutsche Jugend“ vor und stellte Berge von ausländerfeindlichem Hetzmaterial sicher. Seltener, aber immer wieder kommt es auf den Straßen Deutschlands zu Gewalt gegen Türken, Afrikanern und solche, die es vermeintlich sind.
Rassismus ist in Europa eine Krankheit.
In Afrika ist es eine Seuche.
Vom öffentlichen Interesse in Europa weitgehend unbemerkt hat sie sich auf dem schwarzafrikanischen Kontinent ausgebreitet. Permanente, unterschwellige Diskriminierung von Weißen. Mal parolenhaft laut, mal als Nebensatz en passant, oft in Vorwürfen kaschiert. Tief, tief in vielen afrikanischen Köpfen sind die Worte „Ihr, ihr Weißen …“ worauf kindlich dumme Pauschalisierungen folgen. Weiße haben keine Sorgen. Weiße fühlen sich als Herrenmenschen und betrachten Schwarze als Affen. Weiße verführen junge Afrikanerinnen zur Prostitution und planen stetig Verschwörungen. Einzig das Brunnenvergifterargument fehlt bis dato.
Zur Behandlung der gesellschaftlichen Erkrankung, das zeigen erfolgreiche, noch immer laufende Therapien in Nordamerika und Westeuropa, kann einzig auf das Mittel ,öffentliche Diskussion’ gesetzt werden. Die USA, die sich als erstes Volk diesem Thema in enormer Heftigkeit stellen mussten, haben vor kurzem einen Mann zum Präsidenten gewählt, der zum Teil afroamerikanischer Abstammung ist. Diese Errungenschaft wurde im übrigen von vielen Afrikanern nicht als Sieg gegen den Rassismus, sondern als gegen die weißen, reichen Weltbeherrscher, verstanden. In den USA begann die Behandlung der sklavenhaltenden Krankheit Rassismus mit dem amerikanischen Bürgerkrieg und erlebte mit dem großen Träumer Martin Luther King einen Höhepunkt. In seiner epochalen Rede “I have a dream“ trieb der schwarze Bürgerrechtler dem rassistischen Establishment die Schamesröte ins Gesicht und die unterdrückten Minderheiten in den zivilen Widerstand. Nie wieder sollte der Ruf „Hey Nigger!“ über die Straßen tönen.
Nun, in Afrika ist das noch heute Realität. „Le blanc“, „atangana“ und „white“ vermag die Straße nicht zu überqueren ohne einen beleidigenden Rattenschwanz hinter sich her zu ziehen. Weiße Afrikaner gibt es nicht. Man lebt als bestaunter, aber nicht selten angefeindeter Fremder unter Fremden. Einzig Südafrika hat unter dem anderen großen Träumer Mandela Nelsen einen ersten Schritt gemacht und den schwarzweißen Rassismus zum Diskurs gestellt. Südafrika hat mit Mandela einen anderen großen King gehabt, der die Krone abgab, als er gewonnen hatte. Dafür gebührt ihm Hochachtung. Doch in den anderen Ländern Afrikas? In Simbabwe, in Mali, in Kamerun? Der Gedanke, dass Rassismus auch gegen Weiße existiert, dass Schwarze nicht nur Opfer sein können, dieser Gedanke muss in der afrikansichen Zivilgesellschaft erst noch entdeckt werden. Es braucht einen neuen Traum für Afrika. Einen neuen Träumer.
Es braucht einen afrikanischen Martin Luther King.